Worauf es bei der Auswahl von Batteriespeichern wirklich ankommt

Im Consulting Team begleitet Robert Nitsche Kunden bei der Auswahl und Bewertung von Batteriegroßspeichern und weiß aus Erfahrung, dass der größte Mehrwert oft dort entsteht, wo Datenblätter enden. Gerade bei Speicher-Projekten entscheiden reale Betriebsdaten, transparente Verträge und eine unabhängige Analyse darüber, ob ein Speicher im Betrieb wirklich hält, was er auf dem Papier verspricht.
Ein Mann mit Brille und blauem Hemd sitzt lächelnd an einem Schreibtisch vor einem Computer in einem hellen Büro, im Hintergrund steht eine große Zimmerpflanze.

Du bist Teil unseres Consulting-Teams. Was hat dich persönlich daran gereizt, Projekte im Bereich Energiespeicher beratend zu begleiten und nicht „nur“ technisch umzusetzen?

Ich mag den direkten Kundenkontakt. Dadurch erkennt man am besten, wo Herausforderungen entstehen und welche Unterstützung tatsächlich gebraucht wird. Ich denke, das Feedback aus den Projekten hilft auch, unsere technischen Produkte weiterzuentwickeln.

Wenn du an deine ersten Projekte bei NOVUM zurückdenkst: Was hat dich fachlich oder menschlich am meisten überrascht?

Ich wusste zwar, dass die Speicherbranche noch jung ist, aber es hat mich dann doch überrascht, wie groß der Beratungsbedarf bei der Auswahl eines passenden BESS (Battery Energy Storage System) tatsächlich ist. Leider gibt es in der Branche viele schwarze Schafe, bei denen versteckte Leistungsmängel dazu führen können, dass ein auf dem Papier überzeugender Business Case in der Praxis deutlich schlechter ausfällt. Es freut mich, dass wir hier helfen können, Fehler zu vermeiden. Überrascht hat mich außerdem, wie wenig kommerziell attraktiv Grünstromspeicher aktuell noch sind. Das finde ich schade, da es aus meiner Sicht ein entscheidender Baustein zu mehr Unabhängigkeit in der deutschen Energieversorgung ist. Hier würde ich mir mehr politische Anreize wünschen.

Du hast zuvor im Photovoltaik-Bereich gearbeitet und beschäftigst dich nun auch mit BESS. Welche Erfahrungen aus dem PV-Bereich helfen dir heute beim Verständnis und der Bewertung von BESS-Projekten?

Die Rahmenbedingungen sind sehr vergleichbar, insbesondere bei Themen wie Genehmigungen, Zertifizierungen, Anschlussbedingungen sowie Sicherheit und Brandschutz. Am Ende handelt es sich in beiden Fällen um Energieerzeugungsanlagen, die ins Netz eingebunden werden müssen. Auch bei der wirtschaftlichen Bewertung gibt es klare Parallelen, denn der Business Case entscheidet letztlich darüber, ob ein Projekt umgesetzt wird oder nicht. Jeder will die Energiewende, aber niemand will dabei Geld verlieren. Das ist völlig nachvollziehbar und aus meiner Sicht der entscheidende Faktor für das Gelingen der Energiewende.

In der Lieferantenauswahl für Großspeicher: Welche Kriterien werden aus deiner Sicht häufig unterschätzt?

Es geht um Aspekte, die in den Datenblättern nicht auftauchen. Dazu zählen etwa Kalibrier- und Balancingzeiten. Ebenso wichtig ist die scheinbar einfache Frage, welche Daten ein BESS aufzeichnet und wie ich als Besitzer unabhängig vom Hersteller darauf zugreifen kann. Außerdem sollte das System schon eine Weile auf dem Markt sein. Der Hersteller kann im Idealfall einen Datensatz zur realen Performance des BESS über mehrere Wochen zur Verfügung stellen. Aus solchen Datensätzen können wir bei NOVUM viel über die Qualität des BESS erfahren. Kann er das nicht, schellen meist schon die Alarmglocken bei uns.

In welchen Projektphasen entsteht aus deiner Sicht das größte Risiko für Investoren, Betreiber oder Projektierer und wie kann man dieses Risiko frühzeitig erkennen und systematisch minimieren?

Die entscheidende Frage ist: liefert der Speicher im Betrieb mindestens das, was er auf dem Papier versprochen hat? Und wenn nicht, wie kann ich meine Mängelansprüche beim Hersteller durchsetzen? Es gibt also zwei Komponenten: zum einen die passende Lieferantenauswahl, zum anderen die Vertragsgestaltung. Bei der Lieferantenauswahl sollte man frühzeitig damit beginnen, versteckte Performance-Mängel zu identifizieren und diese anhand realer Felddaten eines baugleichen BESS zu verifizieren. Papier ist geduldig, Daten lügen nicht. In der Vertragsgestaltung muss klar definiert sein, bei welchen Mängeln der Hersteller wie haftbar gemacht werden kann. Hier gibt es noch keine etablierten Standards und jeder Hersteller ist da mehr oder weniger beweglich. Eine unabhängige Erfassung und Analyse der BESS-Performance ist essentiell, um Abweichungen von den vertraglich vereinbarten Werten eindeutig belegen zu können. Dabei empfiehlt es sich, Herstellerdaten durch unabhängige Messungen und Analysen zu ergänzen.

Was schätzt du besonders an der Zusammenarbeit mit Kunden in komplexen Speicherprojekten?

Die meisten Kunden sind offen und dankbar für unsere Hilfe bei der Auswahl des BESS. Es macht natürlich Spaß und ist toll zu sehen, wenn am Ende ein BESS steht, das genau so funktioniert, wie der Kunde es sich vorgestellt hat. Auch ich lerne mit jedem Projekt dazu, insbesondere wenn es technisch anspruchsvoll ist. Ich mag solche Herausforderungen.

Welches Thema außerhalb der Energiebranche begeistert dich gerade besonders?

Ich finde es spannend zu sehen, wie sich die KI-Branche gerade entwickelt, insbesondere wenn man Informationen schnell finden will oder Texte zusammenfassen möchte. Ich nutze Tools wie Gemini sowohl privat als auch beruflich immer häufiger. Wir haben zwar noch keine hundertprozentige Fehlerfreiheit, aber das Niveau, auf dem wir uns mittlerweile bewegen, finde ich absolut beachtlich. Wenn ich mal komplett abschalten will, dann mache ich das beim Wandern in der Natur oder beim kreativen Musikmachen am Computer, beides Themen, die mich außerhalb der Tech-Welt begeistern.

Kontakt

Kristin Schumann

Head of Marketing & Communication

k.schumann@novum-engineering.com