Wie Elektromobilität das Energiesystem von morgen revolutioniert

„Viele kleine Autobatterien sind wie ein großes Pumpspeicherkraftwerk – nur dass der Fahrer davon profitiert.“ Mit dieser Idee legte Thomas Raffeiner 2009 den Grundstein für The Mobility House, um die Mobilitätswende aktiv mitzugestalten. Im Interview gibt Marcus Fendt, Geschäftsführer von The Mobility House und verantwortlich für Vertrieb und Marketingkommunikation, spannende Einblicke in die Gründungsidee, die Strategie des Unternehmens, welche Bedeutung das Speichermonitoring für die Branche hat sowie die Vision des Unternehmens: Elektromobilität als integraler Bestandteil eines nachhaltigen Energiesystems und die daraus resultierende Zero-Zero-Strategie.

Aus welchen Ideen hat sich The Mobility House entwickelt, und welche Vision und Ziele verfolgt das Unternehmen seit seiner Gründung?

Seit 30 Jahren bin ich bereits in der Energiewirtschaft tätig. Mein Weg führte dabei durch verschiedene Stopps in der Beratung, unter anderem bei Accenture, wo ich die Liberalisierung des Energiemarktes Ende der 1990er-Jahre intensiv miterlebte. Der Wendepunkt hin zu The Mobility House kam, als Thomas Raffeiner, ein langjähriger Freund und Weggefährte , mich zu einer Fahrt im Tesla Roadster einlud. Während dieser Fahrt überzeugte mich die Idee, die der Grundstein von The Mobility House ist: Warum sollten die Batterien eines stehenden Autos nicht auch wirtschaftlich genutzt werden?

Das Herzstück von The Mobility House ist die Vision „zero zero“: zero emissions, zero cost. Elektroautos sollen nicht nur klimaneutral fahren, sondern während ihrer Standzeit durch die Integration ins Stromnetz Einnahmen erzielen, um die Betriebskosten zu minimieren, besser noch zu eliminieren. Der Gedanke, dass Fahrzeuge als flexible Energiespeicher dienen können, bildet den Kern dieser Strategie.

Den finalen Meilenstein haben wir erreicht, als Renault 2024 den bidirektionalen Renault R5 auf den Markt brachte. Durch unsere Zusammenarbeit können Kunden in Frankreich über eine spezielle Ladestation mit jedem Ladevorgang zusätzliche Einnahmen generieren. So ist es möglich, über 10.000 Kilometer im Jahr kostenlos zu fahren – ein wesentlicher Schritt, um unsere Vision greifbar zu machen.

Was macht das Produktportfolio von Mobility House so besonders?

Unser Produktportfolio errichtet eine Brücke zwischen Elektromobilität und Energiewirtschaft. Unser Unternehmen gliedert dabei seine Dienstleistungen in drei zentrale Bereiche:

  1. Charging: Von einzelnen Wallboxen bis hin zu spezifischen Angeboten für Elektriker.
  2. Solutions: Software- und hardwareunabhängige Angebote wie den „ChargePilot“, ein Energiemanagementsystem, das Ladestationen effizient steuert und Kosten spart. Dieser ist bereits weltweit bei namhaften Unternehmen vertreten, wie Schneider, iTron, … im Einsatz.
  3. Energy: Hierzu zählen sowohl stationäre Speicher als auch Vehicle-to-Grid-Technologien, die Elektroautos in das Stromnetz einbinden.

Ein Beispiel für die Innovationskraft ist der Einsatz von Batterien im Fußballstadion der Amsterdam Arena. Davon hat dann z. B. das Konzert von Coldplay im letzten Jahr profitiert. Hier ersetzen Batterien Dieselgeneratoren und sorgen für erneuerbare Energie bei Konzerten oder Spielen. Projekte wie diese zeigen, wie vielseitig die Lösungen des Unternehmens sind.

Welche Vorteile sehen Sie bei First-Life- und Second-Life-Speichern und wie schätzen Sie die Entwicklung des Marktes ein? Werden sich First-Life- oder Second-Life-Speicher langfristig durchsetzen – und warum?

Der Markt für Batterien und deren Verwendung in First-Life- und Second-Life-Anwendungen befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Die Entwicklung hin zu langlebigeren Batterien mit 13.000 bis 18.000 Zyklen könnte dazu führen, dass diese Kapazitäten in Fahrzeugen nie vollständig ausgeschöpft werden. Second-Life-Anwendungen sind im Sinne der Circular Economy sinnvoll, jedoch derzeit durch Faktoren wie komplizierte Bauformen, unzureichende Leistung und hohe Retrofitting-Kosten aktuell noch begrenzt. Die Standardisierung von Batterien könnte in zukünftigen Fahrzeuggenerationen Second-Life-Anwendungen erleichtern.

Aktuell sind neue Batterien oft günstiger als das Recycling oder die Wiederverwendung von alten Batterien. Der Markt befindet sich noch im Anfangsstadium, ähnlich wie die Entwicklung bei Solar- und Windenergie vor einigen Jahren. Langfristig wird Batterietechnologie jedoch eine zentrale Rolle in der Energiewende spielen.

First-Life- und Second-Life-Speicher bleiben also auch für die Zukunft relevant. Dabei können Vorteile, wie:

  • die Maximale Effizienz und Leistungsfähigkeit, aufgezeigt werden, da sie speziell für den Ersteinsatz (z. B. Fahrzeuge) entwickelt wurden. (First-Life-Speicher)
  • die nachhaltige Nutzung durch Weiterverwendung nach der Erstnutzung, die Schonung von Ressourcen und die Förderung der Circular Economy aufgeführt werden. (Second-Life-Speicher)

Im Rahmen der Marktentwicklung sehe ich vor allem Komponenten der technologischen Innovationen, Standardisierung, sinkenden Produktionskosten und regulatorischen Vorgaben, die diese maßgeblich prägen. Second-Life-Batterien werden zunehmend wichtiger, insbesondere durch strengere Recycling-Verordnungen und Fortschritte bei der Standardisierung.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Anforderungen an Batterietechnologie, um sie erfolgreich vermarkten zu können? Gibt es Aspekte, die Betreiber oder Vermarkter dabei häufig unterschätzen?

Die Vermarktung von Batterien hat mit der primären Nutzung im Energiemarkt begonnen (z. B. Primärregelenergie) und erweitert sich zunehmend auf Iintraday-Märkte und andere Anwendungen. Batterien werden sich künftig in vielen Bereichen etablieren, da sie oft günstiger und flexibler sind als Infrastrukturmaßnahmen wie das Verlegen von Kabeln.

1. Wichtigste Anforderungen an die Batterietechnologie für eine erfolgreiche Vermarktung:

  • Flexibilität und Vielseitigkeit: Die Batterie sollte an verschiedene Anwendungsfälle (Primary und Secondary Use Cases) anpassbar sein.
  • Kosteneffizienz: Sinkende Zellkosten und optimierte Betriebsmodelle sind entscheidend.
  • Technische Robustheit: Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit an zukünftige Marktanforderungen (z. B. längere Speicherzyklen).
  • Intelligente Integration: Systeme müssen in Energiemärkte integriert und mit der Infrastruktur kompatibel sein.

2. Häufig unterschätzte Aspekte

  • Unterschätzung sekundärer Nutzungsmöglichkeiten: Viele Betreiber fokussieren sich ausschließlich auf den aktuell primären Use Case.
  • Zukunftssicherheit: Die Anpassung an technologische und marktspezifische Entwicklungen (z. B. Tag-Nacht-Verschiebungen) wird oft nicht ausreichend berücksichtigt.
  • Netzoptimierung: Die Bedeutung der intelligenten Nutzung von Netzanschlüssen und Vermeidung von Überkapazitäten wird gelegentlich übersehen.

Mit dem Online-Monitoring-Tool Storage Guard überwacht NOVUM Garantiebedingungen, die Sicherheit und die Auswirkungen von Vermarktungsszenarien auf die Lebensdauer von Batteriespeichern. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht ein solches Monitoring für einen erfolgreichen Speicherbetrieb?

Der erfolgreiche Betrieb von Batteriespeichern erfordert Sicherheit in der Technologie und ihrer Vermarktung, insbesondere in der frühen Phase des Marktwachstums. Viele Player treten auf, darunter auch weniger zuverlässige, wodurch Vertrauen und finanzielle Absicherung zentral sind. Tools wie der Storage Guard von NOVUM sind hilfreich, um Garantiebedingungen, Betriebsdaten und die Auswirkungen von Vermarktungsszenarien auf die Lebensdauer der Batterien zu überwachen. Dies stärkt das Vertrauen von Käufern und Finanzierern und schafft notwendige Referenzpunkte.

Ein entscheidender Faktor für den Speicherbetrieb ist die Langzeitnutzung: Jede Verlängerung der Lebensdauer erhöht den Investmentwert erheblich. Gleichzeitig beeinflussen Vermarktungsstrategien die Alterung der Batterie. Vermarktungsalgorithmen wie wir sie seit 2016 entwickelt und verfeinert haben, gerade weil sie für die Second Life Batterien die wir anfänglich bekommen haben zwingend waren, sind für nachhaltigen Betrieb notwendig. Für Dritte und insbesondere Finanzinvestoren sind unabhängige Überwachungsmechanismen wie NOVUM sehr hilfreich. NOVUM fungiert hier als eine Art “TÜV”, der sicherstellt, dass Vermarktungserlöse erzielt werden, ohne die Batterie unverhältnismäßig zu beanspruchen.

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Die Speicherbranche erlebt derzeit eine Art Aufbruchstimmung, und die Nachfrage wächst stetig. Wie geht The Mobility House mit diesem Wachstum um? Was raten Sie Interessenten, die vor der Entscheidung für ein Investment in Batteriespeicher stehen? Worauf sollten Sie dabei besonders achten?

Tatsächlich herrscht gerade eine Goldgräberstimmung. Aktuell sind über 300 GW an Netzanschlussbegehren bei Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern angemeldet, auch wenn sich diese Zahlen schnell in Luft auflösen werden. Ich gehe von 15–20 GW bis 2030 aus. The Mobility House wird sowohl mit den 200 MW Bestand als auch mit den tollen Kooperationspartnern wie Ecostor, Fenecon, GESI, Terralyr und vielen Stadtwerke-Partnerschaften dieses Wachstum begleiten und intelligent vermarkten.

Mittelfristig kommen dann ja auch noch die Elektroautos, die unseres Erachtens die dominierenden Speicher werden. Volkswirtschaftlich sollten wir unsere raren Netzanschlüsse auch für Datacenter nutzen, da hier ein wesentlicher Teil der zukünftigen Wertschöpfung erbracht wird, auf die auch The Mobility House mit seinen KI-basierten Anwendungen zurückgreifen muss.

Aktuell ist es auch noch schwer, die Vermarkter voneinander zu unterscheiden. Viel Marketing, tolle Dashboards und noch bessere Backtesting-Ergebnisse überspielen Faktoren wie Portfolio- und Alterungserfahrung, wie The Mobility House sie als First Mover hat, sowie entsprechendes Investoren-Backing und bankable Produkte. Nur wenn ich auf einem gleichen Batteriespeicher zwei Anbieter parallel einsetze, kann ich deren Performance vergleichen und sehen, ob die Batterie effizient genutzt wird.

Im C&I‑Bereich ist auch die langfristige Planung essenziell, damit Speicher den zukünftigen Anforderungen wie z. B. steigenden Ladebedarfen gerecht werden oder erweitert werden können. Vorausschauendes Projektmanagement hilft, Verzögerungen durch Engpässe bei Bauteilen wie Transformatoren zu vermeiden und Kosten zu minimieren. Zudem sollten Nutzungsszenarien wie Lastspitzen in industriellen Anwendungen oder Ladeparks frühzeitig berücksichtigt werden, da Batterien Projekte beschleunigen und wirtschaftlicher machen können.

Ein Blick in die Zukunft: Welche Projekte werden bei The Mobility House zukünftig vorangetrieben?

The Mobility House konzentriert sich in der Business Unit Energy auf die Vermarktung stationärer Speicher auf der einen Seite und auf die Aggregation und Vermarktung von Elektroautos für OEMs und Utilities auf der anderen. Ziel ist es, erneuerbare Energien besser zu nutzen, Elektromobilität günstiger zu machen und den Verkehr CO₂-freier zu gestalten.

Kontakt

Kristin Schumann

Head of Marketing & Communication

k.schumann@novum-engineering.com