Überleben im „Wilden Westen“: Wie Technik-Exzellenz Ihr Speicher-Investment rettet

Warum Erlösprognosen erst durch technische Verfügbarkeit belastbar werden: Xenia Ritzkowsky im Gespräch über Markttrends, operative Exzellenz und bankfähige Hardware

2026 regiert die wirtschaftliche Realität: Marktprognosen, Hardwareinvestitionen und Vermarkterwahl sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Gemeinsam mit Xenia Ritzkowsky, Senior Consultant bei enervis energy advisors GmbH, analysieren wir aktuelle Entwicklungen im Speichermarkt und identifizieren die Hebel für profitable Assets.

Die neue Realität: Das Infrastruktur-Nadelöhr

Auf die Frage nach dem aktuellen Status-Quo zeichnet Xenia Ritzkowsky ein klares Bild: Die Branche verfügt heute über deutlich mehr Fachwissen als noch zu Beginn, kämpft aber mit komplexeren Hürden. Das derzeit größte Hindernis ist die massive Netzanschlussknappheit. In Deutschland stehen aktuell Anfragen für mehrere hundert Gigawatt Speicherleistung einer installierten Basis von lediglich 2,5 GW gegenüber. Diese Diskrepanz kann das physische Netz schlicht nicht bewältigen.

Um dieser Knappheit zu begegnen, etablieren sich laut Ritzkowsky zwei wesentliche Trends:

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    • Flexible Connection Agreements (FCA): Netzbetreiber vergeben Anschlüsse zunehmend mit Auflagen wie Leistungsrampen (stufenweise Schaltung) oder Einspeiseverboten zu Spitzenzeiten. Dies kann – je nach Ausgestaltung – einen erheblichen Einfluss auf die Rentabilität des Speicherprojektes haben: Ein Einspeiseverbot blockiert den Zugang zu lukrativer Regelleistung und entzieht dem Speicher seine notwendige Flexibilität. Ohne klare regulatorische Vorgaben gleicht dieser Bereich aktuell noch einem „Wilden Westen“.
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    • Grünstrom-Co-Location: Zur Umgehung langwieriger Netzanschlussverfahren werden Photovoltaik und Speicher verstärkt an einem gemeinsamen Anschlusspunkt kombiniert. Der Vorteil: Der Speicher nutzt die bestehende Netzinfrastruktur der Erzeugungsanlage. Dieses Modell ist oft die einzige Möglichkeit, PV-Projekte trotz sinkender EEG-Vergütung wirtschaftlich zu realisieren, indem Energie in hochpreisige Abendstunden verschoben wird.

Erlöstrategien: Der Fokus verschiebt sich zum Spotmarkt

In der Vergangenheit basierten viele Kalkulationen auf der Primärregelleistung (FCR). Aktuell steht vor allem die Sekundärregelleistung (aFRR) im Fokus. In der Regelleistung stabilisiert man die Netzfrequenz und wird für die Bereitstellung sowie die abgerufene Energie vergütet. Doch die Markttiefe ist hier begrenzt; der Markt ist weitgehend gesättigt. Die wahre Zukunft liegt laut Ritzkowsky in den Spotmärkten (Day-Ahead und Intraday). „Auf den Spotmärkten verdienen Speicher Geld, indem sie günstig laden und teuer entladen. Das klingt einfach, ist aber komplex, da man die Zeitpunkte und Preise präzise abschätzen muss.”, erklärt Ritzkowsky.

Hier greift ein entscheidender Effekt: Da fossile Kraftwerke seltener laufen, müssen sie ihre Fixkosten auf weniger Betriebsstunden umlegen. Dies treibt die Gebotspreise und damit die Preisspitzen in Knappheitsstunden nach oben. Speicher haben hier den Vorteil, dass sie ohne Anlaufzeiten sofort auf Preissignale reagieren können, sofern die Technik es zulässt. Denn die relevanten Erlöse entstehen heute oft konzentriert innerhalb weniger Stunden mit extremen Preisspitzen.

Technische Verfügbarkeit: Die Versicherung Ihrer Rendite

Da Batteriespeicher von Banken im Vergleich zu Wind- oder Solarparks weiterhin als risikoreicheres Investment eingestuft werden, ist die technische Prüfung ein zentraler Bestandteil der Finanzierung. Finanzierer fordern vermehrt belastbare „Low Case“-Szenarien (konservative Prognosen) und prüfen das technische Setup sowie die Erfahrungswerte mit den Herstellern sehr genau.

Ritzkowsky betont zwei entscheidende Stellschrauben für den langfristigen Erfolg von Speicherprojekten:

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    1. Die Technologie: Technische Verfügbarkeit ist einer der größten Hebel für die Rendite. Die Wirtschaftlichkeit eines Speichers entscheidet sich oft an nur wenigen Tagen im Jahr. Ein Ausfall in diesen Stunden extremer Preisspitzen, zerstört einen Großteil der Jahresrendite. „Die günstigste Technologie ist daher nicht immer die beste Wahl“, so Ritzkowsky.
    2. Der Vermarkter: Er muss in der Lage sein, Marktveränderungen und regulatorische Anpassungen kurzfristig in Handelsstrategien umzusetzen.
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Fazit: Investitionsschutz durch Hardware-Expertise

Der Rat der Expertin für Neueinsteiger ist eindeutig: Der Netzanschluss ist das A und O. Ohne einen endgültigen Vertrag sollten keine weiteren Investitionsschritte unternommen werden. Außerdem sollte man sich vor Projektstart zu sowohl Erlösperspektiven und dem Einsatz von vertrauenswürdiger Hardware beraten lassen. In einem Markt, der kaum technischen Ausfälle verzeiht, entscheidet die langfristige Zuverlässigkeit der Hardware über die Bankfähigkeit und die tatsächliche Rendite.

Hier setzt NOVUM engineering an: Herstellerunabhängige Qualifizierung und Monitoring sichern die technische Verfügbarkeit ab – die Voraussetzung für jede belastbare Erlösprognose. So wird die Hardware von einer Black-Box zu einem kalkulierbaren Bestandteil des Business-Cases.

Xenia Ritzkowsky ist Senior Consultant bei der Berliner Beratung enervis energy advisors GmbH und Expertin für Batteriespeichersysteme im deutschen Strommarkt. Ihr Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen technischer Modellierung und wirtschaftlicher Strategieentwicklung.

Innerhalb der Branche verantwortet sie komplexe Themenfelder wie die Wirtschaftlichkeitsbewertung von Speichern, Co-Location-Modelle sowie die Analyse von Vermarktungsmodellen am Spotmarkt und für Systemdienstleistungen. Sie ist eine zentrale Ansprechpartnerin für bankfähige Erlösprognosen und leitet Fachseminare zu kritischen Themen wie Bankability, Kannibalisierungseffekten und Finanzierungsaspekten.

Kontakt

Kristin Schumann

Head of Marketing & Communication

k.schumann@novum-engineering.com