Netzentgeltregelung: Warum Batteriespeicher jetzt Planungssicherheit brauchen

Positionspapier zu Netzentgelten (AgNes) mit Titel: Regulatorische Verlässlichkeit für Batteriespeicher als Grundlage für ein stabiles Energiesystem

Batteriespeicher gelten als unverzichtbares Rückgrat der Energiewende. Doch während die Technologie längst ausgereift ist, sorgt die Politik aktuell für Verunsicherung auf dem Markt. Die Bundesnetzagentur möchte mit der Revision des § 118 Abs. 6 EnWG eine Neuregelung der Netzentgelte („AgNes“) einführen. Bisher waren Speicher 20 Jahre lang komplett von Netzentgelten befreit (§ 118 EnWG). Die BNetzA plant aktuell, diese Befreiung für Neuanlagen zu beenden und diskutiert sogar eine „unechte Rückwirkung“ für bestehende Speicher. Das schafft neue Unsicherheiten und könnte die Energiewende stark beeinflussen. NOVUM warnt im aktuellen Positionspapier vor den Folgen des Festlegungsverfahrens AgNes und fordert dringend notwendige Anpassungen.

Speicher sind Infrastruktur, keine bloßen Stromverbraucher

Großbatteriespeicher erfüllen eine essenzielle Aufgabe für unser Energiesystem: Sie reduzieren den Bedarf an teuren Redispatch-Maßnahmen und fangen durch Arbitrage extreme Preisschwankungen ab. Damit fungieren sie als wichtiges Bindeglied zwischen erneuerbaren Energien, dem Stromnetz und den Verbrauchern. Speicher müssen aufgrund dieser systemstabilisierenden Rolle als Infrastruktur betrachtet werden und dürfen nicht wie klassische Netznutzer (Verbraucher) mit Netzentgelten belastet werden.

Das Problem: Die aufgeweichte Planungssicherheit (§ 118 Abs. 6 EnWG)

Bislang konnten Investoren auf eine verlässliche Regelung bauen: Nach § 118 Abs. 6 EnWG genossen Speicher, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen, eine 20-jährige Befreiung von den Netzentgelten. Auf dieser Grundlage wurden Investitionen im zweistelligen Gigawattbereich geplant und finanziert.

Die nun von der Bundesnetzagentur im Verfahren AgNes skizzierten Orientierungspunkte bedrohen diese Grundlage. Die regulatorische Unsicherheit ist derzeit das größte nicht-technische Projektrisiko, da technologische Risiken und der eigentliche Anlagenbetrieb mittlerweile sehr gut beherrschbar sind.

Die fatalen Folgen für den Markt

Eine nachträgliche Änderung dieser Rahmenbedingungen hat aus unserer Sicht als Experten, die als unabhängiger Monitoring-Partner Projekte bewerten, drastische Konsequenzen:

  • Finanzierungsmodelle wackeln, da Business Cases komplett neu bewertet werden müssen.
  • Die Risikoprämien steigen, was Investitionen künstlich verteuert.
  • Es drohen Investitionsverschiebungen, wodurch eine gefährliche Lücke zwischen dem Ausbau der Erneuerbaren und der nötigen Flexibilitätsinfrastruktur entsteht.
  • Letztlich führt ein verzögerter Speicherzubau zu höheren Gesamtsystemkosten für alle.

5 Leitplanken für die Zukunft

Um den Ausbau nicht abzuwürgen, fordert NOVUM klare Spielregeln für die Regulierung:

  1. Sicherung des Vertrauensschutzes: Projekte, für die bereits Investitionsentscheidungen getroffen wurden, müssen geschützt bleiben.
  2. Transparente Übergangsregelungen: Es braucht eindeutige Stichtage für laufende Projektentwicklungen.
  3. Differenzierung: Eine klare Trennung zwischen netzdienlichen Infrastruktur-Speichern und reinen Verbrauchsanwendungen ist notwendig.
  4. Anreize für Netzdienlichkeit: Die neuen Entgeltsysteme sollten dynamische Anreize setzen, die netzdienliches Verhalten belohnen.
  5. Langfristige Leitplanken: Die Investitionssicherheit muss auch über einzelne Legislaturperioden hinaus garantiert werden.

Fazit: Die Technologie ist bereit, nun muss die Regulierung nachziehen und Verlässlichkeit schaffen, anstatt laufende Projekte auszubremsen.

Lesen Sie hier das vollständige Positionspapier ➡️

Kontakt

Kristin Schumann

Head of Marketing & Communication

k.schumann@novum-engineering.com